Von Hendrik Steinkuhl
Mit dem Laptop in die Uni, mit der Schmutzwäsche zu Muddi - das Studentenleben kann so einfach sein. Student Paul fordert: Mamas Wäschemonopol gehört zerschlagen! Hier also das Telekolleg Waschen für Anfänger. Sogar E-Techniker und Betriebswirte können das lernen.
Heute Morgen war ich mir sicher, ich hätte ein neues Wort erfunden: Wäschetourismus.
Sperrmülltouristen plündern mit dem Auto deutsche Wohnsiedlungen. Sextouristen fliegen im Bumsbomber nach Bangkok. Und Wäschetouristen, die fahren mit dem Regionalexpress heim zu Mutti.

Ludger Bröcker
Pauls Welt: Fragt doch einfach in der Mädchen-WG
Um weiterhin möglichst pauschal zu bleiben: Der Sextourist ist alt, doof und dick, der Sperrmülltourist aus einem Land, das ich hier nicht nennen darf, sonst gibt es neue deutsch-polnische Verstimmungen. Und der Wäschetourist ist Student. Jeden Freitag füllt er die rot-graue Reisetasche, die sein Vater ihm mühsam bei Aral ertankt hat, bis oben hin mit schmutziger Studentenwäsche. T-Shirts von H&M, Boxershorts von Tchibo, man kennt das ja.
Heute Morgen war ich mir also sicher, ich hätte ein neues Wort erfunden. Heute Nachmittag habe ich dann nachgegoogelt und gesehen: zehn Treffer. Da waren wieder welche schneller.
Auf dem Hilflosenportal www.frag-mutti.de beklagt sich "shyguy 22" darüber, er könne auf 18 Quadratmetern keine Waschmaschine unterbringen (klarer Fall von fehlender Kreativität. In anderen Ländern reichen 18 Quadratmeter als Wohnraum für eine Großfamilie und zwei Ziegen).
Mama, du bist frei!
"Phoenixtear" schreibt, er habe dasselbe Problem wie "shyguy 22", aber die perfekte Lösung: Wäschetourismus. Und Forumsmitglied "kLeiner"empfiehlt frank und frei: "ich würde mit der wäsche zu muddern gehen. muddern freut sich, wenn sohnemann hin und wieder mal vorbeikommt. nebenbei kannst du dann da auch den kühlschrank leer futtern."
Ich würde mit der Wäsche nicht zu Muddern gehen.
Nicht mehr.
Ja, auch ich war für einige Semester Wäschetourist. Irgendwann aber habe ich gemerkt: Das ist nicht gut für Mutti. Jahrelang hat sie sich für mich den Rücken krummgebügelt, jetzt soll sie doch wenigstens am Wochenende mal wieder raus an die Luft. Das Leben bietet einer Frau um die 50 heutzutage so viele Möglichkeiten; es muss ja nicht unbedingt Nordic Walking sein.
Mama, habe ich irgendwann gedacht, du bist frei! Wasch deine eigene Wäsche, leb dein eigenes Leben. Ich helfe dir dabei.

Siemens
Muddi und ihre Maschine: Waschen geht ohne Diplom
Natürlich spielt die Mama da nicht so einfach mit. Von Natur aus ist die Mama schließlich auch eine Klette. Papa stößt den Sohn mit drei ins Wasser, damit er endlich mal schwimmen lernt. Mama holt das Kind sofort wieder heraus. "Du Grobian", sagt sie zu Papa. Dann quetscht sie den heulenden Dreijährigen so fest an sich, dass der fast erstickt.
Um es auf den Punkt zu bringen: Wen man neun Monate mit sich herumschleppt, dem wäscht man auch mit neunundvierzig noch die Hemden. Schwierig ist, wenn die Mutti "nur" (ein Zitat, ich würde das nie so sagen!) Hausfrau und Mutti ist. Dann ist sie nämlich meistens mit ihrer Miele verheiratet. Wer hört, wie solche Muttis über die Wäschetrennung nach Farben dozieren, der könnte meinen, dafür bräuchte man ein Diplom.
Nur: Wo macht man das?
Nicht bei Mutti. Die will ja, dass du jeden Freitag vor der Tür stehst und verhinderst, dass sie sich mal Gedanken über ihr eigenes Leben macht.
Ich kenne übrigens jemanden, dem die Mutti während seiner Ausbildung am Wochenende sogar seine Krawatten vorgebunden hat. Wäre ich sein Kollege gewesen, ich hätte ihm während der Arbeit einfach mal den Schlipsknoten gelöst, um zu sehen, ob er dann wohl heulend nach Hause fährt.
Hier werden Sie geholfen!
Liebe Kommilitonen: So geht das nicht weiter. Das Wäschemonopol Mutti gehört zerschlagen, und wisst ihr was? Ich helfe euch dabei. Jeder kann waschen! Wer mittwochs Karina erobert und donnerstags Lena verführt, der darf doch freitags nicht an einer Miele scheitern. Willkommen also zum Telekolleg Wäschewaschen.
Klamotten aus Seide habt ihr nicht. Wenn doch, dann kennt ihr euch in der Frauenwelt so gut aus, dass ich euch die Waschmaschine nicht mehr erklären muss. Wollpullis wascht ihr gar nicht, oder bei 0 Grad. Alles andere schickt ihr bei 30 Grad durch die Trommel. Hygienepolizisten dürfen ihren Schlüpfern und Handtüchern auch ein paar Grad mehr gönnen.
Die Farben trennt ihr grob nach schwarz, weiß und bunt. Wenn ihr bei einem Teil unsicher seid, dann fragt ihr einfach in der hübschesten Mädchen-WG eures Hauses, womit die es waschen würden. So kommt ihr auch mit denen ins Gespräch und müsst nicht die ewige "Habt-ihr-noch-Salz?"-Nummer strapazieren.
Zur Nachbehandlung: Ihr bügelt Hemden, ihr bügelt Hosen, ihr bügelt Poloshirts. Unterhosen bügelt ihr nicht! Es empfiehlt sich natürlich immer, welche anzuhaben. Sollte es schließlich passieren, dass ein Mitglied der hübschesten Mädchen-WG eure Boxershorts zu Gesicht bekommt, dann wird alles weitere sicher nicht davon abhängen, ob die Unterhose knitterfrei ist.
Nun noch zwei Spezialempfehlungen. Liebe Elektrotechniker und Maschinenbauer: Eure Flanellhemden bügelt ihr bitte nicht auf Stufe drei. Die Löcher kriegt keiner wieder raus. Und allen Betriebswirten und Juristen sei gesagt, dass man Flecken auf der Barbourjacke mit etwas Wasser und einer Nagelbürste husch husch wieder entfernen kann.
Einmal im Jahr sollte die Barbourjacke natürlich neu gewachst werden. Aber mal unter uns verwöhnten Söhnen: Warum dafür 30 Euro ausgeben, wenn man für nur 300 schon wieder eine neue bekommt?